Zur Geschichte des Hauses Stiftstr. 23

Baubeginn: Sommer 1874, 1. Haus an dieser Straße
Bauherr: Heinrich Kortum (* 20.08.1836); Arbeiter u. Kaufmann(?)
Gebäudetyp: Spätklassistisches Wohn- und Wirtschaftshaus mit Gaststätte und Kolonialwarengeschäft im Erdgeschoss. 
1892: anstelle von kleineren Schuppen Bau einer Remise mit Pferdeställen zur Paulinenstr. mit Ladenfläche und darüberliegenden Wohn- und Vorratszimmern.
Eigentümer:
1) Heinrich und Christine Kortum, geb. Gieseking
2) beider Sohn Carl Otto Kortum (* 07.04.1864) und Frau Auguste Annalie, geb. Kortemeyer.
3) deren Söhne (ab 1955?) Heinrich, Willi und Otto Kortum.
4) deren Großneffe Heinz Kortemeyer (ab 1967)
5) Dr. Maria Th. Koberg (ab 01.06.1999)
Die Geschichte des Hauses beginnt eigentlich mit der Entfestung Mindens 1873, an der Ecke Hufschmiede/ Marienstraße:
"Um Platz auf dem Hügel" zu schaffen, bot die Marienkirchgemeinde den Bewohnern und Hauseigentümern der Gebäude auf der Kirchenseite von Hufschmiede und Marienstraße an, mit ihrer finanziellen Unterstützung "vor dem Marienthore" - in den damaligen Garten- und Wiesenanlagen zu bauen. Heinrich Kortum, der bereits an der Ecke Hufschmiede/ Marienstr. einen Krämerladen unterhalten hatte, nahm diese Möglichkeit wahr und ließ das Haus erbauen. Der Name "Gasthof Kortum" weist schon daraufhin, dass es sich hierbei um eine "Kutscherkneipe" handelte: Es konnten im Hof Pferdefuhrwerke ausgespannt und Tiere in der Remise untergestellt werden, während die Fuhrknechte Logis in den darüberliegenden Räumen beziehen konnten oder die Bauern aus den umliegenden Dörfern ihren Geschäften in der Stadt nachgingen. Im Hof war deshalb auch eine Brunnen- und Pumpanlage. Der Brunnen versiegte allerdings, als die Fa. Melitta an der Ringstraße ihre Produktion aufnahm. 1955 wurde die bis dahin von Auguste Kortum und ihrem Sohn Heinrich betriebene Gaststätte an die Mindener Feldschlösschen Brauerei verpachtet.
Im Oktober 1967 übernahm der Großneffe Heinz Kortemeyer bis zum Februar 1999 den Gastronomiebetrieb. 
Im Anbau, im kleinen Ladenbereich Paulinenstr. 9, waren u.a. ein Frisörgeschäft (Liebich), eine Leihbücherei, eine Schusterei sowie eine Änderungsschneiderei untergebracht.

Und zum Schmunzeln:
Als in den 20er- Jahren einmal das Gespräch darauf kam, dass man dem Gasthof doch einen "richtigen" Namen geben sollte, schlug der Wirt "...zum schmierigen Löffel" vor. Der Vorschlag wurde begeistert aufgenommen und der Stammtisch fortan mit einen Samtständer, auf dem ein goldener Löffel hing, geschmückt.
Alte Mindener kennen diesen Namen sicher noch.

 

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