Das Zähneputzen

Eines sollten Sie beim Zähneputzen unbedingt vermeiden: das so genannte horizontale Schrubben. Das bedeutet, dass die Zahnbürste waagerecht mit großen Bewegungen über die Zähne geführt wird. Erstens putzt man mit dieser Technik nicht sehr gründlich, zweitens gibt es Leute, die sich dadurch regelrechte Dellen in den Zahnhals fräsen. Drittens verletzt diese Methode das Zahnfleisch; das kann so weit gehen, dass sich das Zahnfleisch zurückzieht und die Zahnhälse frei liegen.

Ansonsten gibt es viele Techniken, die man benutzen kann. Wir empfehlen überwiegend die so genannte Bass-Technik: Dabei setzt man das Borstenfeld in einem Winkel von 45° an den Zahnfleischrand an und rüttelt dann mit kurzen horizontalen Bewegungen. Anschließend kann man mit der Zahnbürste noch vom Zahnfleischrand weg die Seitenfläche auswischen. So geht man Zahn für Zahn vor. Einige bewegen die Zahnbürste auf und ab, andere machen kreisende Bewegungen. Ob Sie damit die Zähne gut reinigen, kann Ihnen Ihr Zahnarzt sagen. Besonders gründlich sollte man immer an den Stellen sein, an denen die Zahnbürste umgesetzt wird - dort "schludert" man am schnellsten.

Noch ein Tipp: Karies entsteht vor allem auf den Kauflächen der Backenzähne, weil dort die Zahnbürste oft nur schlecht die engen Furchen (in der Fachsprache "Fissuren") erreicht. Hier bleibt also häufig Plaque übrig, deren Bakterien sich über den Zahnschmelz hermachen. Die Kauflächen sollte man also besonders gründlich putzen: Am besten in einer Kreisbewegung, damit die Borsten die engen Furchen reinigen können. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen wird mittlerweile oft eine so genannte "Fissurenversiegelung" durchgeführt. Dabei schließt der Zahnarzt oder die Prophylaxehelferin die Furchen mit einem flüssigen Kunststoff, der mit einem Speziallicht sofort ausgehärtet wird. Dadurch sind die Fissuren relativ gut verschlossen und die Kauflächen besser zu reinigen.

Warum Fluoride?

Weltweit ist die Karies in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen - trotz gleichbleibenden Zuckerkonsums. Ursache: die Fluoride in Zahncremes, Speisesalz, Trinkwasser usw. Um ihre schützende Wirkung zu erklären, muss man noch einmal genau schauen, welche Prozesse im Mund ablaufen:
Wie schon erklärt, sind Zähne keine statischen Strukturen. Auch aus dem gesunden Zahn wird immer eine kleine Menge Kristalle durch den Speichel herausgeschwemmt (diesen Vorgang nennt man Demineralisation). Das macht aber nichts, solange sich im Speichel genügend Einzelteile des Zahnschmelzes befinden. Diese werden nämlich sofort an der ramponierten Stelle wiedereingebaut (das ist die Remineralisation). Im gesunden Zahn wird genauso viel eingelagert wie herausgelöst. Das ändert sich, wenn das Bakterium Streptococcus mutans das Kommando übernimmt: Dessen Säuren lösen viel mehr heraus, als der Speichel wieder einbauen kann - im Ergebnis findet also eine Demineralisation statt.

Fluoride bewirken nun verschiedene Dinge. Die wichtigsten: Zum einen bilden die Fluoride mit dem Kalzium des Speichels eine Schutzschicht aus Kalziumfluorid auf den Zahnoberflächen. Diese Schicht muss die Säure dann erst mal zerstören, bevor sie den darunter liegenden Zahnschmelz auflösen kann. Zum zweiten verschieben die Fluoride das Geschehen im Mund wieder in Richtung Remineralisation. Fluoride können nämlich in den Zahnschmelz eingebaut werden - und zwar anstelle des empfindlichen Hydroxyl-Ions. Wenn man also durch Zähneputzen oder Fluoridsalz o.ä. sehr viele Fluoride im Speichel hat, dann werden mehr Fluoride in den Zahn eingebaut, als die Säuren herauslösen können. Dadurch ist es sogar möglich, kleine Defekte des Schmelzes wieder zu schließen, die die Säure schon in den Zahn gefressen hat.

Ein Nebeneffekt des Fluorids: Es dringt auch in die Plaque ein und behindert dort den Stoffwechsel der Kariesbakterien - die können dann nicht mehr so viel Säure produzieren.

 

Andere Zahnpflegemittel

Wichtig, aber wahrscheinlich für viele auch sehr lästig: die Zahnseide. Wichtig deshalb, weil man selbst mit der besten Zahnputztechnik und mit der raffiniertesten High-Tech-Zahnbürste nur ungefähr 60 Prozent der Zahnflächen reinigen kann. Die restlichen 40 Prozent befinden sich zwischen den Zähnen - und die erreicht man meistens nur mit der Zahnseide. Moderne Zahnseiden sind heute aus EPTFE, einem Kunststoff. Diese sind zwar sehr glatt, man kommt aber überall durch. Dort, wo besondere Reinigung notwendig ist, kann man vorher einen Knoten in die Seide machen.

Es gibt gewachste und ungewachste Zahnseide. Die gewachste ist durch die Beschichtung etwas dicker, das Wachs sorgt aber auch dafür, dass sie sich leichter in enge Zwischenräume einfädeln lässt. Für Geübte ist aber eher die ungewachste Seide zu empfehlen: Sie fasert sich beim Gebrauch auf, was den Reinigungseffekt erhöht, denn Essensreste können zwischen den Fasern festgehalten und damit besser entfernt werden.
Zahnseide sollte vor dem Zähneputzen benutzt werden: Ein kleiner Teil der Wirkstoffe der Zahncreme gelangt nämlich auch zwischen die Zähne, und auf den gereinigten Flächen können sie besser einwirken.
Achtung: Lassen Sie sich von Ihrem Zahnarzt zeigen, wie man's richtig macht, denn auch Zahnseide kann bei falscher Anwendung dem Zahnfleisch schaden.

Wenn die Zähne relativ weit auseinander stehen, kann man auch mit einer kleinen Bürste für den Zahnzwischenraum sehr viel erreichen. Ebenfalls nützlich sind medizinische Zahnhölzer, die man in Apotheken und Drogerien kaufen kann. Diese Zahnhölzer unterscheiden sich vom gewöhnlichen Zahnstocher durch ihren dreieckigen Querschnitt. Dadurch dringen sie leichter in die Zahnzwischenräume ein und können dort Speisereste entfernen.

Mundduschen haben einen grobreinigenden Effekt, können aber den Zahnbelag, die Plaque, nicht entfernen, denn die haftet fest am Zahn.

Wenn Sie sich mal nicht die Zähne putzen können nach dem Essen, dann kann ein Kaugummi Abhilfe schaffen. Man schätzt, dass Kaugummis die Phase, in der die Säuren den Zahnschmelz schädigen, um die Hälfte verringert, nach einer Hauptmahlzeit z.B. von 20 auf 10 Minuten. Die Werbung hat in diesem Fall also einmal Recht.

Säurebildung im Mund

 

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